Kryptisches Hinterland

Portugal entdeckt gerade einen wesentlichen Teil seiner eigenen Geschichte. 28 historische jüdische Viertel haben sich zusammengeschlossen, um über ein Erbe zu wachen, das weiterhin schwindet. Eine Spurensuche in der Region Centro.

Blick auf die Synagoge von Belmonte.
Foto: Annett Bourquin adaism.net

Der Standard, 25.5.2015 · Tomar, eine portugiesische Kleinstadt, mitten in Portugal. Hoch über der Altstadt thront eine Klosterfestung des Templerordens aus dem 12. Jahrhundert. Unten, im Ortskern, steht in einer engen Gasse Portugals einzige historische Synagoge. Heinrich der Seefahrer ließ sie bauen, aus Dank. Geldgeber und Forscher aus den jüdischen Gemeinden ermöglichten Portugals Entdeckungsfahrten und den Aufstieg zur Weltmacht.

Über das Erbe wachen heute der portugiesische Staat und Menschen wie Teresa Vasco, Donha Teresa genannt. Seit 28 Jahren öffnet die 79-jährige Portugiesin jeden Morgen die Synagoge von Tomar und begrüßt Besucher aus aller Welt. 37.000 waren es im letzten Jahr. Sie ist ganz in Schwarz gekleidet. An ihrer langen, silbernen Halskette hängt ein großer Davidstern. „Ich mache das ehrenamtlich, aus Liebe zu meinem Glauben. Hier in der Synagoge bin ich zuhause,“ sagt sie lächelnd. Weiterlesen

Staatsverbrechen

Klarheit über den Mord an Federico García Lorca

Foto: Archiv FGL

NZZ, 11.5.2015 · Im Jahr 1965 stellte die französische Autorin Marcelle Auclair eine Anfrage an die spanische Botschaft in Paris. Sie wollte Genaueres über die letzten Tage und die Todesumstände des spanischen Dichters und Dramatikers Federico García Lorca (1898–1936) erfahren. Die Anfrage wurde nach Madrid weitergeleitet, von drei Ministern begutachtet und zur Bearbeitung an die Polizei nach Granada geschickt. Dort ist García Lorca wenige Wochen nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs erschossen worden. Der Bericht wurde im selben Jahr verfasst, doch eine Antwort erhielt Auclair nie.

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Seegras – Wächter im Ökosystem Küste

Bayerischer Rundfunk, 26.3.2015 · Seegras sorgt im Mittelmeer für Artenvielfalt, klares Wasser und weiche Sandstrände. Die Unterwasserpflanze wächst am seichten Meeresgrund in Ufernähe und wirkt als Agent im Ökosystem Küste.

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Spanien will nach Greenwich

Immer mehr Spanier fordern die Rückkehr in die Zeitzone von Greenwich. Der Beginn der Sommerzeit heute Sonntag wäre eine Chance für den überfälligen Wechsel.

NZZ am Sonntag, 29.3.2015 · Ginge es nach José Luis Casero, wäre Spanien zum letzten Mal dabei, wenn Europa heute Sonntag die Uhren auf Sommerzeit umstellt. «Wir wollen endlich in Harmonie mit der Sonnenzeit leben», sagt er und fordert die Rückkehr zur Greenwich-Zeit. Der Vorsitzende der «Kommission für die Rationalisierung spanischer Zeitplanung» (Arhoe) hat darum für heute in Madrid eine Demonstration organisiert, für ein «glücklicheres, gesünderes, produktiveres und wettbewerbsfähigeres Land». 70 Prozent aller Spanier unterstützen laut einer Arhoe-Umfrage das Anliegen. Weiterlesen

Das Leben ist kein Hundert-Meter-Sprint

David Truebas Roman zu Spaniens Krise gewinnt den Kritikerpreis

NZZ, 6.5.2009 · Die Weltwirtschaftskrise hat Spanien in besonderer Art erwischt: Jüngere Leute kannten bisher nur den stetigen Boom. David Truebas neues Buch hilft ihnen nun, auch das Verlieren zu lernen.

Spanien steckt in der Krise. Dabei ist das Land nicht allein. Doch in Spanien ist die Krise nicht nur wirtschaftlich (knapp 18 Prozent Arbeitslose, mehr als vier Millionen Menschen, Ende April), sie ist auch psychologisch. Das Selbstbewusstsein sinkt parallel zu den Statistiken. Jüngeren Spaniern – den ab 1975 geborenen, dem Jahr, in dem Francos Diktatur endete – muss man erst erklären, dass alles, was sie bisher gelernt haben, keine Gültigkeit mehr hat. Dass das Geld nicht einfach so aus dem Automaten kommt; dass man sich ohne Eigenkapital kein Haus leisten und den gesamten Haushalt nicht auf Raten kaufen sollte. Die Ära des grenzenlosen Konsums ist zu Ende.

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Spanien legt sich mit Google an

Ein neues Gesetz verärgert den Internet-Giganten. Dieser will nun seinen Nachrichtendienst im südeuropäischen Land schliessen

Mit einer «Google-Steuer» will Madrid die einheimischen Verleger vor der Konkurrenz der Onlinedienste schützen. Viele sehen darin aber keinen Vorteil.

NZZ am Sonntag, 14.12.204 · Google hat diese Woche angekündigt, seinen Nachrichtendienst in Spanien zu schliessen. Anlass ist ein neues Gesetz, das Anbieter wie Google News zur Kasse bittet. Den drastischen Schritt begründete Richard Gringas, Leiter von Google News, mit dem Leistungsschutzgesetz, das in Spanien zum 1.Januar in Kraft treten soll. Es betrifft Google News und ähnliche Nachrichtenseiten, welche lediglich auf andere Onlineportale verweisen. Deren Verleger werden nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, von den Betreibern der Nachrichtenseiten Geld zu verlangen. «Google-Steuer» werden die geplanten Zahlungen in Spanien genannt. Im weltweiten Konflikt um Autorenrechte im Netz beschreitet Spanien damit einen neuen Weg.

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Spätfolgen königlicher Seitensprünge

Spaniens Justiz lässt erstmals eine Vaterschaftsklage gegen Altkönig Juan Carlos zu

Zwei angebliche uneheliche Kinder des einstigen Königs und Schwerenöters Juan Carlos könnten Spaniens Monarchie aus den Fugen geraten lassen. 

NZZ am Sonntag, 18.1.2015 · Spaniens bedrängte Monarchie ist mit neuen Skandalen konfrontiert. Es geht um die früheren Seitensprünge von Altkönig Juan Carlos und deren juristische Aufarbeitung. Der Oberste Gerichtshof hat diese Woche eine Vaterschaftsklage gegen den letzten Sommer zurückgetretenen Regenten zugelassen. Der 77-Jährige hat nun 20 Tage Zeit, um darauf einzugehen. Bestreitet er den Vorwurf, muss er sich voraussichtlich einem DNA-Test unterziehen. Die Klägerin, die 48-jährige Belgierin Ingrid Sartiau, behauptet, 1965 von Juan Carlos gezeugt worden zu sein – in einem Hotel an der Costa del Sol.

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Ende des Freiflugs in Spanien

Früher galt Korruption auf der Iberischen Halbinsel als Kavaliersdelikt, doch das Ansehen der Betrüger schwindet. Nun steht eine wahre Prozesswelle bevor

Schwarzgeld, Briefumschläge, falsche Verträge: Spanien will dieses Jahr rund 2000 Politiker und Unternehmer wegen Korruptionsfällen verurteilen. 

NZZ am Sonntag, 1.2.2015 · Das neue Jahr hat in Spanien mit hohen Erwartungen begonnen. Es ist nicht nur das Jahr der Parlamentswahlen. Es ist auch das Jahr der grossen Korruptionsprozesse. Was Ermittlungsrichter und Staatsanwälte zusammengetragen haben, soll nun der Rechtsprechung dienen. Angeklagt sind nach Berechnungen der Agentur Europa Press mehr als 2000 Politiker aller Ebenen und Regionen sowie Unternehmer. Sie sollen bei rund 150 Gerichtsverfahren wegen Bestechung, Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder Veruntreuung öffentlicher Gelder verurteilt werden.

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